(Gesunde) Führung als wichtige Bestandteil gesunder Arbeit
In den ersten beiden Beiträgen unserer Blogreihe haben wir gezeigt, warum Gesundheit nicht ausschließlich ein individuelles Thema ist und weshalb die Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastung weit mehr sein sollte als eine gesetzliche Pflicht.
Doch selbst wenn Belastungen systematisch sichtbar werden, stellt sich eine entscheidende Frage: Wer verändert eigentlich die Arbeitsbedingungen?
Ein zentraler Hebel dafür ist Führung.
Denn Führungskräfte gestalten den Arbeitsalltag ihrer Mitarbeitenden jeden Tag, bewusst oder unbewusst. Sie setzen Prioritäten, treffen Entscheidungen, verteilen Ressourcen, geben Orientierung, moderieren Veränderungen und prägen die Zusammenarbeit innerhalb ihrer Teams. Dadurch beeinflussen sie letztlich auch maßgeblich die Zufriedenheit, Motivation und Gesundheit ihrer Mitarbeitenden.
So zeigt auch die Meta-Analyse von Montano et al. (2017), dass Führung einen bedeutsamen Einfluss auf die psychische Gesundheit und Motivation von Mitarbeitenden hat. Gesund Führung kann die Gesundheit, Motivation und Leistung fördern.
Führung ist damit kein „weicher Faktor“, sondern ein wesentlicher Bestandteil gesundheitsförderlicher Arbeitsgestaltung und moderner Organisationsentwicklung. Führung und Gesundheit gehen dabei Hand in Hand.
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Gesunde Führung kann nur so gut funktionieren wie das System, in dem sie arbeitet
Gleichzeitig wäre es zu einfach, die Verantwortung ausschließlich bei Führungskräften zu sehen. Auch sie arbeiten innerhalb organisationaler Rahmenbedingungen.
Sie stehen unter wirtschaftlichem Druck, erleben Personalmangel, Zielkonflikte sowie eine hohe Veränderungsdynamik und zunehmende Komplexität. Diese Rahmenbedingungen beeinflussen nicht nur die Arbeit der Mitarbeitenden, sondern auch den Handlungsspielraum von Führungskräften. Wer selbst dauerhaft unter hoher Belastung arbeitet, kann Belastung im Team häufig nur schwer gesund steuern.
Deshalb reicht es nicht aus, Führungskräfte ausschließlich durch Trainings im Bereich gesunder Führung befähigen zu wollen. Ebenso entscheidend ist es, organisationale Rahmenbedingungen so zu gestalten, dass gesundheitsorientierte Führung überhaupt möglich wird. Zur Standortbestimmung der organisationalen Gegebenheiten kann eine Mitarbeitendenbefragung Hilfe leisten. Schauen Sie gerne auch bei unserem Mitarbeitenden-Tool vorbei.
An genau dieser Schnittstelle ergänzen sich Organisationsentwicklung und gesundheitsorientierte Führung. Während Organisationsentwicklung die strukturellen Voraussetzungen schafft, beschreibt das wissenschaftlich fundierte Health-oriented Leadership (HoL)-Modell von Franke und Felfe (2014), wie gesundheitsförderliches Führungsverhalten im Arbeitsalltag wirksam werden kann.
Das Modell betrachtet Gesundheit als Zusammenspiel von drei Ebenen:
- gesundheitsorientierte Selbstführung der Führungskraft (SelfCare)
- gesundheitsorientierte Mitarbeitendenführung (StaffCare)
- gesundheitsorientierte Selbstführung der Mitarbeitenden.
Dabei konnte empirisch bestätigt werden, dass sowohl SelfCare als auch StaffCare einen positiven Einfluss auf die Gesundheit und das Wohlbefinden von Beschäftigten haben (Klug et al., 2022).
Nachhaltige Gesundheit entsteht damit nicht isoliert. Sie entsteht im Zusammenspiel von Organisation, Führung und individuellem Verhalten.
Gesunde Führung wirkt auf Gesundheit, Leistung und Unternehmenserfolg
Gesundheitsförderliche Führung trägt nicht nur zur Gesundheit der Beschäftigten bei. Sie wirkt sich ebenso auf Motivation, Arbeitszufriedenheit, Teamleistung, organisationale Bindung und damit den Erfolg einer Organisation aus.
Führungskräfte, die Orientierung geben, psychologische Sicherheit fördern und Belastung frühzeitig wahrnehmen, schaffen Bedingungen, unter denen Mitarbeitende leistungsfähig bleiben und ihr Potenzial entfalten können.
Die Führungsforschung zeigt seit vielen Jahren, dass ein mitarbeitendenorientiertes Führungsverhalten nicht nur mit einer besseren psychischen Gesundheit von Beschäftigten, sondern auch mit höherer Arbeitszufriedenheit, stärkerem Engagement und einer besseren Arbeitsleistung zusammenhängt (Montano et al., 2017; Inceoglu et al., 2018).
Gesunde Führung ist damit kein „Soft Skill“, sondern ein wirksamer Hebel für Gesundheit und Wirtschaftlichkeit.
Wie gesundheitsfördernde Führung konkret aussehen kann
Doch was bedeutet gesundheitsorientierte Führung im Arbeitsalltag eigentlich konkret?
Gesundheitsorientierte Führung beginnt nicht erst dann, wenn Belastung bereits entstanden ist. Vielmehr geht es darum, Arbeitsbedingungen aktiv gesundheitsförderlich zu gestalten und Führung bewusst als Bestandteil der Organisationsentwicklung zu verstehen.
In unseren Seminaren Gesundes Führen beschäftigen wir uns deshalb mit der Fragen, wie Mitarbeitende gesund geführt werden können:
- Wie können Führungskräfte ihre eigene Gesundheit bewusst im Blick behalten und gleichzeitig Vorbild für gesundes Arbeiten sein?
- Wie gelingt eine wertorientierte Führung, die Orientierung gibt und Vertrauen schafft?
- Wie kann Belastung frühzeitig erkannt und angesprochen werden, bevor sie zu gesundheitlichen Problemen führt?
- Welche Rolle spielt Gesundheitskommunikation und wie können Gespräche wertschätzend geführt werden?
- Wie lassen sich psychologische Sicherheit, ein offener Umgang mit Belastungen im Team und eine fehlerfreundliche Kultur fördern?
Dabei geht es bewusst nicht um zusätzliche Aufgaben für Führungskräfte. Vielmehr entwickeln wir gemeinsam konkrete Ansätze, wie gesundheitsförderliches Führungsverhalten in den bestehenden Führungsalltag integriert werden kann, denn Gesundheit und Führung gehörten als ganz klar zusammen.
Führung wird zum Bindeglied zwischen Gesundheitsmanagement und Organisationsentwicklung
Genau deshalb ist Führung einer der wichtigsten Hebel für gesunde Arbeit. Denn hier treffen zwei Perspektiven zusammen:
Gesundheitsmanagement fragt: Wie können wir Gesundheit fördern?
Organisationsentwicklung fragt: Wie gestalten wir Arbeit so, dass Gesundheit, Zusammenarbeit und Leistungsfähigkeit wirksam entstehen kann?
Führung verbindet beide Perspektiven im Arbeitsalltag. Sie übersetzt strategische Ziele in konkretes Handeln. Sie macht Unternehmenskultur erlebbar. Sie gestaltet die Arbeitsbedingungen, unter denen Zusammenarbeit täglich stattfindet. Und sie entscheidet jeden Tag mit darüber, ob Mitarbeitende ihre Arbeit als motivierend oder belastend erleben.
Gesunde Führung ist deshalb kein Zusatzthema des Betrieblichen Gesundheitsmanagements. Sie ist ein wesentlicher Bestandteil wirksamer Organisationsentwicklung.
Fazit: Gesunde Organisationen brauchen gesunde Führung
Gesunde Arbeit entsteht nicht zufällig. Sie entsteht dort, wo Arbeitsbedingungen bewusst gestaltet werden, Belastung früh erkannt wird und Führung Orientierung gibt.
Wer Gesundheit langfristig stärken möchte, sollte deshalb nicht nur in Gesundheitsangebote investieren oder Belastung systematisch erfassen. Ebenso entscheidend ist die Frage:
Wie befähigen wir Führungskräfte gesund zu führen und wie gestalten wir gleichzeitig unsere Organisation so, dass gesundes Führen überhaupt möglich wird?
Genau hierin sehen wir einen der größten Hebel für zukunftsfähige Organisationen und genau diesen integrierten Ansatz verfolgen wir auch in unserer Arbeit — von Führungskräfteentwicklung über psychische Gefährdungsbeurteilungen bis hin zu organisationsbezogenen Gesundheitsstrategien. Weitere Informationen finden Sie hier.
Wie geht es weiter?
Mit diesem Beitrag endet unsere kleine Blogreihe vor der Zukunft Personal Europe 2026.
Wir haben gezeigt,
- warum Gesundheit ein Organisationsthema ist,
- weshalb organisationale Belastungen zunächst sichtbar gemacht werden müssen,
- und warum Führung eine Schlüsselrolle für gesunde Arbeit einnimmt.
Über genau diese Themen möchten wir vom 15. bis 17. September 2026 auf der Zukunft Personal Europe in Köln mit Ihnen ins Gespräch kommen.
Ob strategisches Betriebliches Gesundheitsmanagement, Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastung, Mitarbeitendenbefragungen, Betriebliche Gesundheitsförderung oder gesunde Mitarbeiterführung – Wir freuen uns darauf, diese Themen gemeinsam mit Ihnen weiterzudenken, Erfahrungen auszutauschen und darüber zu diskutieren, wie gesunde Arbeit in Organisationen nachhaltig gestaltet werden kann.
Quellen:
Franke, F., & Felfe, J. (2014). The impact of health-oriented leadership on follower health: Development and test of a new instrument measuring health-promoting leadership. In: Zeitschrift für Personalforschung, 28, S. 139–161.
Inceoglu, I., Thomas, G., Chu, C. , Plans, D. & Gerbasi, A. (2018). Leadership behavior and employee well-being: An integrated review and a future research agenda. The Leadership Quarterly, 29 (1), 179-202.
Klug K., Felfe J. & Krick A. (2022). Does Self-Care Make You a Better Leader? A Multisource Study Linking Leader Self-Care to Health-Oriented Leadership, Employee Self-Care, and Health. International Journal of Environmental Research and Public Health. 31;19 (11).
Montano, D., Reeske, A., Franke, F., & Hüffmeier, J. (2017). Leadership, followers‘ mental health and job performance in organizatons: A comprehensive meta-analysis from an occupational health perspective. Journal of Organizatonal Behavior, 38(3), 327–350.
