Privates Handy am Arbeitsplatz: Störend oder sogar förderlich?

von | Juli 6, 2026 | Allgemein, Psychische Belastung

Eine Studie von Ann-Katrin Wolf und Prof. Dr. Carmen Binnewies

Handys am Arbeitsplatz bzw. Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT) als Brücke zwischen Arbeits- und Privatleben

Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT) sind aus dem alltäglichen Leben nicht mehr wegzudenken. Die technologischen Entwicklungen der letzten Jahre haben dazu beigetragen, dass sie für nahezu unzählige Zwecke zu gebrauchen sind (z.B. für das Austauschen von kurzen Nachrichten, die Nutzung sozialer Medien, das Checken von Nachrichten-Apps, dem Nachgehen von Bankgeschäften sowie der Überwachung der eigenen Gesundheit). Die ständige Verfügbarkeit dieser Geräte hat zur Folge, dass das Privatleben immer mehr in die Arbeit hineinragt. Eltern erkundigen sich nach dem Befinden ihrer Kinder, mit der besten Freundin wird ein Kinoabend vereinbart, der Versandstatus der kürzlich bestellten Klamotten wird verfolgt, ein Termin bei der Autowerkstatt vereinbart, oder aus Gewohnheit durch die unzähligen Videos auf den sozialen Medien gescrollt.

Handys am Arbeitsplatz: Ein kontroverses Therma

Dabei ist die IKT-Nutzung oder auch die Handy-Nutzung am Arbeitsplatz für derartige private Zwecke während der Arbeitszeit ein kontroverses Thema. Während die einen die private Handynutzung am Arbeitsplatz konsequent ablehnen und nur für Notfälle erreichbar sind, gehört sie für die anderen mittlerweile zum Arbeitsalltag dazu und der gelegentliche Blick auf das Smartphone ist so normal wie der regelmäßige Gang zur Kaffeemaschine.

Was sagt die Forschung?

Auch in der psychologischen Forschung wird die private Handynutzung am Arbeitsplatz (oder auch private IKT-Nutzung) während der Arbeitszeit aus verschiedenen Blickwinkeln heraus betrachtet (z.B. Lim & Teo, 2024; Sonnentag & Pundt, 2017). Einerseits wird sie als Arbeitsunterbrechung bezeichnet, da sie Arbeitnehmende bei der Bearbeitung ihrer Aufgaben stört und somit deren Produktivität lindert. Andererseits werden zunehmend auch die positiven Gesichtspunkte gesehen. So kann die Nutzung auch als kurze Arbeitspause, genannt Mikro-Pause, angesehen werden. Diese geben Arbeitnehmenden die Möglichkeit für ein paar Minuten von ihrer aktuellen Arbeitsaufgabe abzuschalten und dadurch neue Energie fürs Weiterarbeiten zu sammeln, also vergleichbar mit einer kurzen Tagträumerei oder einem Plausch mit den Kollegen auf dem Flur. Weiterhin dienen IKT der besseren Vereinbarkeit von Arbeits- und Privatleben. So können kurze private Absprachen getroffen und wichtige Arzt-, Bank- oder Handwerkertermine vereinbart werden. Eltern sind für ihre Kinder erreichbar und es können Bestellungen limitierter Produkte aufgegeben werden, wie zum Beispiel von sehr begehrten Konzerttickets, die am Feierabend bereits ausverkauft wären.

Eine aktuelle Studie

Forschende von der Arbeitseinheit Arbeitspsychologie der Universität Münster haben kürzlich eine Studie zur privaten IKT-Nutzung während der Arbeitszeit durchgeführt, um den Rahmenbedingungen dieser Vor- und Nachteile weiter auf den Grund zu gehen (Wolf & Binnewies, 2026). Über eine Arbeitswoche hinweg haben die Teilnehmenden dabei ihre tägliche private IKT-Nutzung während der Arbeitszeit angeben. Insgesamt konnten die Angaben von 98 Personen mit 321 IKT-Nutzungstagen ausgewertet werden. Die Studienteilnehmenden nannten über diese Tage hinweg 568 Nutzungszwecke. Am häufigsten wurden dabei private Anrufe und Nachrichten (39.79%) genannt, kurz dahinter kam die Nutzung sozialer Medien wie Instagram und Reddit (20.60%) sowie die Terminplanung und Alltagskoordination (13.20%). Aber auch das Checken privater Emails, das Spielen von Online Spielen, der Blick in die Wetter-App und das Kaufen von Konzerttickets waren genannte Nutzungsbeispiele. Im Mittel gaben die Teilnehmenden an ca. 30 min pro Arbeitstag für die private IKT-Nutzung während der Arbeitszeit aufzuwenden. Grundsätzlich gab es auch Tage, an denen keine IKT genutzt wurden, allerdings wurden diese nicht mit in die Auswertung einbezogen, da die Rahmenbedingungen der Nutzung untersucht werden sollten. Nutzungszwecke sind per se schwierig als förderlich oder hinderlich zu bezeichnen, da sie inhaltlich sehr unterschiedlich ausfallen können. So kann zum Beispiel ein eingehender Telefonanruf mit sehr guten aber auch sehr schlechten Neuigkeiten einhergehen. Aufgrund dessen haben wir uns dazu entschieden, die positive und negative Bewertung der eigenen IKT Nutzung zu untersuchen.

Welche Rolle spielt die eigene Bewertung der Nutzung?

In der genannten Studie wurde daher erhoben, inwiefern die Teilnehmenden ihre eigene IKT Nutzung am jeweiligen Untersuchungstag bewerteten. Dabei zeigten sich auf der Tagesebene die folgenden Zusammenhänge: Je positiver die private IKT-Nutzung an einem Arbeitstag bewertet wurde, desto positiver waren die Teilnehmenden gestimmt und desto besser konnten sie sich an dem Tag konzentrieren bzw. nach einer Ablenkung wieder zu ihrer eigentlichen Aufgabe zurückfinden. Weiterhin gaben sie am jeweiligen Feierabend an, zufriedener mit ihrer Arbeit zu sein, ihren Arbeitsaufgaben besser nachgekommen zu sein sowie sich aktiver auf der Arbeit eingebracht zu haben. An Tagen, an denen die private IKT-Nutzung eher negativer wahrgenommen wurde, konnte hingegen ein Zusammenhang mit einer schlechteren Stimmung sowie einer niedrigeren Konzentration am Arbeitsplatz aufgezeigt werden. Darüber hinaus wurden am jeweiligen Feierabend eine niedrigere Arbeitszufriedenheit und ein geringeres Einbringen angegeben. Zusätzlich zeigten die Ergebnisse, dass die Wahrnehmung der eigenen Nutzung umso negativer war, je länger sie insgesamt an dem Tag erfolgte.

Handys am Arbeitsplatz: Was bedeutet das für den Arbeitsalltag?

Insgesamt konnte die Studie also weitere Hinweise darauf geben, dass die private Handynutzung am Arbeitsplatz nicht als grundsätzlich gut oder schlecht bezeichnet werden sollte, sondern differenzierter zu betrachten ist. Die eigene Wahrnehmung der täglichen Nutzung scheint dabei eine wichtige Rolle zu spielen, ob diese mit eher positiven oder negativen Konsequenzen (für die Arbeit) einhergeht. Um von den positiven Konsequenzen profitieren zu können, sollten sich Arbeitnehmende demzufolge bewusst machen, für welche Zwecke sie während der Arbeit das Handy als förderlich bzw. hinderlich empfinden. Während eine 5-minütige Pause in den sozialen Medien beispielsweise als erholsam empfunden werden kann, können Absprachen mit dem Partner/der Partnerin zu Haushaltsangelegenheiten oder das Checken der Nachrichten-App als störend bzw. belastend empfunden werden. Dementsprechend sollten Arbeitnehmende versuchen, derartige Zwecke zu vermeiden. Hilfreich kann dabei sein, betreffende Apps während der Arbeit am Handy zu sperren, Push Nachrichten zu deaktivieren, das Smartphone in der Tasche zu lassen, oder an das eigene Umfeld zu kommunizieren, für welche Zwecke man erreichbar ist oder für welche auch nicht. Abschließend sollte die (zumindest kurze) private Handynutzung am Arbeitsplatz während der Arbeitszeit also nicht per se als schlecht oder störend angesehen werden, da sie unter Umständen auch mit positiven Konsequenzen für die eigene Stimmung und Konzentration am Arbeitsplatz einhergehen kann.

Dieser Beitrag wurde von Ann-Katrin Wolf verfasst, die eine wertvolle und interessante Studie (Wolf & Binnewies, 2026) vorstellt. Wir danken für die spannenden Einblicke und die fundierte Auseinandersetzung mit dem Thema.

Kontaktdaten:
M.Sc. Ann-Katrin Wolf
Universität Münster
Institut für Psychologie Arbeitseinheit Arbeitspsychologie
Fliednerstraße 21, 48149 Münster
ann-katrin.wolf@uni-muenster.de

Quellen:

Lim, V. K., & Teo, T. S. (2024). Cyberloafing: A review and research agenda. Applied Psychology, 73(1), 441–484. https://doi.org/10.1111/apps.12452

Sonnentag, S., & Pundt, A. (2017). Media use and well-being at the work-home interface. In L. Reinecke & M. B. Oliver (Eds.), The Routledge handbook of media use and well-being: International perspectives on theory and research on positive media effects (pp. 341–354). Routledge.

Wolf, A.-K., & Binnewies, C. (2026, June 15-17). Private ICT use during work hours – Can one’s appraisal explain the enriching and conflicting processes between home and work? [Conference presentation]. EAOHP 2026, Helsinki, Finland.

Über den Autor/ die Autorin

Luisa Kestermann

Luisa Kestermann

Sie studierte im Bachelor Wirtschaftpsychologie (B. Sc.) mit dem Schwerpunkt Personal- und Organisa-tionspsychologie und beendete ihre akademische Laufbahn als Psychologin (M. Sc.) mit dem Schwer-punkt Human Performance in Socio Technical Systems und den Vertiefungen Occupational Health Psychology und Public Health. Sie konzentriert sich bei VisionGesund auf die Untersuchung psychischer Belastungen in der Arbeitswelt mittels qualitativer und quantitativer Analysemethoden. Außer-dem unterstützt sie das Berater:innenteam bei VisionGesund bei der Vorbereitung, Durchführung und Nachbereitung zahlreicher Projekte. Durch ihre motivierende und wertschätzende Art schafft sie eine vertrauensvolle Basis in ihren Projekten. Ihr Ziel ist es, Unternehmen dabei zu unterstützen, gesunde und nachhaltige Arbeitsbedingungen zu gestalten sowie Strukturen zu fördern, die das psychische Wohlbefinden der Mitarbeitenden stärken. Seit 2025 ist sie, nach vorheriger Werkstudierendentätigkeit, festes Mitglied des Berater:innenteams der VisionGesund GmbH. Durch vielfältige berufliche Erfahrungen vor ihrem Eintritt in das Unternehmen bringt sie fundierte Kenntnisse in den Bereichen Führungskräfteentwicklung, Projektmanagement sowie Personal- und Organisationsberatung mit.