Wie gefällt Ihnen Ihre Arbeit? Erleben Sie durch Ihren Job Erfüllung – oder vielmehr Überforderung? Fühlen Sie sich häufig von Ihrem Job gestresst oder unter Druck gesetzt? – Fast jeder Fünfte erlebt bei der Arbeit häufig psychisch belastende Situationen.

Vor allem Arbeitnehmer*innen, die in ihrem Job mit Menschen interagieren, sind betroffen, wie die jährliche Umfrage des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB) über „Gute Arbeit“ ergab. Das sind immerhin 63 % der 8.000 befragten Arbeitnehmenden unterschiedlicher Branchen, Betriebsgrößen, Altersgruppen und Regionen in Deutschland.

Stressfaktor: Interaktionsarbeit

Interaktionsarbeit – die „Arbeit mit Kundschaft oder vergleichbaren betriebsexternen Gruppen“ – mag im ersten Moment nach einer schönen Beschäftigung klingen, birgt jedoch auch zusätzliche Anstrengung, die schnell zur Belastung für die Arbeitnehmenden werden kann: In nahezu jeder Branche sind die Angestellten zwischenmenschlichen Konflikten ausgesetzt. Dabei werden die eigenen Emotionen häufig unterdrückt, um „gute Arbeit“ zu leisten.

Ein Umstand, der langfristig zu psychischen Krankheiten führen kann; trotzdem erfahren gerade Berufe mit derart hohen sozialen Anforderungen kaum Wertschätzung: 78 % der Befragten beurteilten ihr Gehalt für die zu bewältigenden Aufgaben und dem bestehenden Leistungsdruck als zu gering. Doch neben der monetären Anerkennung mangelt es auch an psychologischer Unterstützung bei psychisch belastenden Erlebnissen im Job. Laut DGB-Report ist davon jede erhobene Branche betroffen. Besonders erschreckend: In jedem erhobenen Bereich fehlte die Unterstützung seitens des Arbeitgebenden.

Woran liegt´s?

Die Gründe des hohen Stressfaktors liegen laut Umfrage insbesondere im Zeitdruck: 58 % der Befragten fühlen sich oft gehetzt, weil dem Arbeitspensum zu wenig Zeit zugestanden wird, die Dokumentationen zu viel Zeit in Anspruch nehmen und/ oder Personalmangel herrscht.

Der Vorsitzende des DGB, Reiner Hoffmann, sieht die Digitalisierung – die nach den Ergebnissen der Index-Umfrage 2016 vermehrt in Jobs mit Interaktionsarbeit Zuwachs findet – als Teilursache des Problems: Statt Entlastung habe der psychische Stress und Druck auf die Arbeitnehmenden durch die technischen Fortschritte nur zugenommen: „Wir brauchen eine humane Arbeitsgestaltung, die den Gesundheits- und Arbeitsschutz stärkt und die Beschäftigten entlastet.“
Doch wie soll solch eine Arbeitsgestaltung aussehen?

Gegen den Stress: Präventive Maßnahmen

Beim Vergleich zwischen Berufsfeldern mit Interaktionsarbeit und Bereichen ohne zwischenmenschlichen Arbeitskontakt bereiten vor allem die Kriterien „Einkommen“ und „Arbeitsintensität“ Grund zur Sorge: Während diese in Jobs ohne Interaktionsarbeit schon im unteren Mittelfeld einer „Guten Arbeit“ liegen, fallen sie in Berufen mit Interaktionsarbeit sogar in die Kategorie „schlechte Arbeit“. Es besteht also nachweislich Verbesserungsbedarf.

Aber was kann ein einzelnes Unternehmen konkret tun, um seinen Mitarbeitenden „Gute Arbeit“ zu gewährleisten?

    Die Fachkräfte leisten viel. Und genau diese Leistung sollte ihnen auch anerkannt werden. Zum einen durch eine bessere Bezahlung; das fordert der Vorsitzende der Dienstleistungsgewerkschaft Frank Bsirske. Zum anderen die Beseitigung des Personalmangels, um den Einzelnen nicht zu überfordern, denn Überlastung führt zu psychischem Stress und Unzufriedenheit.

    Mit BGM gegen den Stress

    Allgemein sollte die Arbeitssituation im jeweiligen Betrieb individuell analysiert werden, um auf konkrete Probleme zu stoßen und an diesen anzusetzen. Dies leistet eine professionell durchgeführte Arbeitssituationsanalyse, mithilfe derer Missstände im Unternehmen in Zusammenarbeit der internen Arbeitskräfte und eines/r externen Expert*in aufgedeckt werden.

    Die externe Sichtweise bietet hierbei einen objektiven Blick auf die Unternehmensstrukturen. Aber auch die Perspektive der Angestellten sowie deren Mitbestimmungsrecht sollte nicht unterschätzt werden, schließlich werden sie täglich mit auftretenden Problematiken konfrontiert und bieten somit eventuell sogar einen Lösungsvorschlag zu deren Beseitigung.

    Stressquellen implizieren hierbei nicht nur Zwischenmenschliches wie die soziale Atmosphäre oder Kommunikation, sondern auch suboptimale Strukturen oder organisatorische Abläufe, die den Betrieb(sfluss) beeinträchtigen. Selbst die Ausstattung der Arbeitsbereiche kann physischen Stress fördern, wenn bspw. das Mobiliar nicht ergonomisch auf den Arbeitenden ausgerichtet ist und dadurch körperliche Beschwerden entstehen.

    Auch die Gefährdungsbeurteilung einzelner Mitarbeitenden können durch Befragungen eingestuft und psychischen Belastungen somit vorgebeugt werden.



Die Förderung in Gesundheits- und Arbeitsschutz ist somit eine echte Chance für sämtliche Unternehmen, um ihr volles Potenzial auszuschöpfen und ihre betrieblichen Erfolge somit durch ein gesteigertes Wohlbefinden der Mitarbeitenden ebenfalls zu optimieren.

Sind die Mitarbeitenden sowohl psychisch als auch physisch gesund, können sie maximale Leistung erbringen. Vertrauen sie ihrem Arbeitgebenden und arbeiten sie gerne in ihrem Betrieb hat das zusätzlich einen positiven Effekt auf die Arbeitsweise.

Hiergegen vorzugehen mit fundierten Ansätzen – das sind doch positive Vorsätze für 2019. In diesem Sinne wünscht Ihnen VisionGesund ebenfalls ein gesundes und erfolgreiches neues Jahr.




Weiterführende Literatur:

DGB-Index Gute Arbeit 2018: Der Report.

DGB: DGB-Index Gute Arbeit 2018: Hohe emotionale Belastungen bei der Arbeit mit Menschen.

SPIEGEL ONLINE: Mehr als die Hälfte der Beschäftigten fühlt sich gehetzt.


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