Da unser Beitrag zum Thema Wasser großen Anklang fand, knüpfen wir an diesen an und stellen uns der Frage aller Fragen: Was ist gesünder – Leitungswasser oder Mineralwasser? Wir listen auf, welche Vor- und Nachteile es gibt, um Ihnen die Trink-Entscheidung zu erleichtern.


Leitungswasser – TOP

Die deutschen Wasserwerke beliefern alle Haushalte mit frischem Leitungswasser. Sie garantieren dabei einwandfreies Trinkwasser bis zum Hausanschluss. Grundsätzlich wäre das Trinken von Wasser aus der Leitung in Deutschland also unbedenklich.

ABER: Für den Zustand der Rohrleitungen im Haus, bürgen die Wasserwerke nicht. Was letztendlich bei Ihnen aus dem Zapfhahn kommt, hängt also von Ihrem jeweiligen Wohnort ab.

Der häufige Gedanke, dass Mineralstoffe fehlen, wenn nur Leitungswasser getrunken wird, stimmt nicht, da Leitungswasser ebenfalls mineralstoffreich ist.

Leitungswasser – FLOP

Ein kritischer Aspekt bezüglich Leitungswasser ist der zu hohe Nitratgehalt in einigen Regionen Deutschlands. Dieser entsteht durch die Landwirtschaft. Durch Überdüngung gerät Nitrat aus den Fäkalien der Tiere in das Grundwasser.

Wenn Sie in einer Gegend mit viel Landwirtschaft leben, dann gibt es eine Möglichkeit, den Gehalt von Nitrat im eigenen Wasser mit Teststäbchen selbst zu bestimmen. Solche Teststäbchen gibt es im zoologischen Aquarienhandel zu kaufen. Alternativ können sie bei Ihren regionalen Wasserwerken anrufen und die Reinheit des Wassers abfragen.

Zur Messung der Reinheit von Wasser wird dessen elektrische Leitfähigkeit (µS) geprüft. Je höher die Leitfähigkeit, desto höher ist auch die Fremdstoffdichte im Wasser.

1980 lag der Grenzwert für Trinkwasser noch bei 280 µS. Heute liegt der Grenzwert nach mehreren Anpassungen bei 2.500 µS. Im Gegensatz zu heute stand der Gesetzgeber damals in der Pflicht, das Wasser bis zum Zapfhahn zu liefern. Heute endet Sie am Hausanschluss. Mit der Erhöhung der Grenzwerte um beinahe das Zehnfache, sinkt die Haftung des Gesetzgebers für gesundes Wasser deutlich.

Mineralwasser – HUI

Die Zeitung Die Zeit berichtete am 16.09.2016, dass bereits ein Drittel des deutschen Grundwassers die EU-Grenzwerte für Nitratbelastung überschreite. Die EU-Kommission klagte im Frühjahr 2016 Deutschland vor dem Europäischen Gerichtshof an, nicht ausreichend gegen die Nitratbelastung vorzugehen.

In erster Linie sind hierdurch Säuglinge und Menschen mit besonders schwachem Immunsystem gefährdet. Spezielles Mineralwasser (z.B. Babywasser) bietet hier mehr Sicherheit. Auch Menschen mit Laktoseintoleranz können ihren niedrigen Kalziumhaushalt mit extra kalziumreichem Mineralwasser ausgleichen. Als gezielter Mineralstofflieferant erweist sich Mineralwasser für bestimmte Zielgruppen also als sehr nützlich.

Mineralwasser – PFUI

Das Mineralwasser aus dem Supermarkt unterliegt nicht der Trinkwasserverordnung, sondern nur der Mineralwasserverordnung. Diese ist jedoch deutlich weniger regulierend als das Leitungswasser. Für einige Stoffe gibt es gar keine Grenzwerte (Uran, Fungizide, Herbizide, organische Chlorverbindungen, Polycyclische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK), Sulfat). Daher müssen diese Schadstoffe auf dem Flaschenetikett nicht angegeben werden.

Entscheidet man sich für Mineralwasser, sollte dies trotz des höheren Gewichts in Glasflaschen gekauft und Kunststoffbehälter vermieden werden, da Chemikalien aus dem Plastik ins Wasser gelangen können.

Und nun?

Am Ende müssen Sie selbst entscheiden, welche Variante Sie bevorzugen – persönliche Vorlieben und Gewohnheiten muss man schließlich nicht wegdiskutieren.
Allerdings: sollte Ihnen ein Mineralwasser mal nicht schmecken, können Sie ein anderes kaufen. Bei Leitungswasser ist das bekanntlich nicht so einfach.

Die Hauptsache ist, wie bereits im letzten Artikel erläutert, ausreichend zu trinken.

Wir wünschen allen einen guten Durst und ein erholsames Wochenende.




Weiterführende Literatur:

Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz: Verordnung über natürliches Mineralwasser, Quellwasser und Tafelwasser.

ZEIT ONLINE: Ein Drittel des Grundwassers ist verschmutzt.

Stiftung Warentest (test.de): Leitungs­wasser und Mineral­wasser: Der große Wasser­check.


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