Computerspiele als Sport-Event werden immer beliebter. Es gibt ein Millionenpublikum. Die Profis werden gefeiert wie Fußballstars. Dabei ist die Professionalisierung so weit fortgeschritten, dass Pro-Gamer*innen durch Anstellungsverträge zu Arbeitnehmer*innen geworden sind. Und nicht nur hier gibt es Parallelen zu Büroangestellten.

Zwölf Stunden (+) Arbeit am Tag

Trotz des Wettkampfbezugs zum Sport ähnelt das Trainingsverhalten der Spieler*innen eher viel beschäftigten Wissensarbeitenden am Bildschirmarbeitsplatz. Stundenlanges Sitzen, permanente Aufmerksamkeit und zwingende Konzentration – denn wer zu den Besten gehören will, darf keine Fehler machen. Nach dem aktuell kritischen Thema Sitzen ist das neue Rauchen müssten Pro-Gamer*innen genauso gefährdet sein, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Rückenproblemen oder einem Burn-Out zu unterliegen, wie Arbeitende mit Schreibtischjob.

Risiko chronischer Erkrankungen durch sich wiederholende Arbeitsabläufe

Repetitive-Strain-Injury (kurz RSI), also eine Verletzung von Sehnen oder Gelenken durch häufig wiederholte Bewegungen an Maus und Tastatur sind sowohl im Büro als auch in der eSports-Branche keine Seltenheit mehr. Sehnenscheidenentzündungen und verschiedene Tendopathien können als Folge auftreten. Es gab bereits Fälle solcher Erkrankungen, die in dieser Branche das Karriereaus bedeuteten. Dabei ist es nicht nur wichtig, sich keine Krankheiten einzufangen, sondern auch die Leistungsfähigkeit möglichst lange zu erhalten – genau wie in traditionellen Berufen.

Die körperliche Fitness entscheidet zwischen gut und besser

Wer aus dem Wettkampf als Sieger*in hervorgehen will, muss physisch und psychisch in einer guten Verfassung sein. Auch ein gesundes Herz-Kreislauf-System und ein ausgewogenes Ernährungsverhalten gehören dazu, denn nur durch eine belastbare Psyche und körperliche Fitness erreicht man das Maximum an:

    – Fokus

    – Konzentration

    – Aufmerksamkeit

    – Reaktionsvermögen

    – Geschick

Nur wenige große Organisationen haben ihre Infrastruktur bereits mit Analyst*innen, Lifecoaches und Personal Trainer*innen aufgerüstet. Ein darüber hinausgehendes systematisches Gesundheitsmanagement steckt aber noch in den Kinderschuhen. Dabei müsste es längst für jedes Team ein Standardverfahren sein. Denn auch die Prinzipien des Betrieblichen Gesundheitsmanagements und der Betrieblichen Gesundheitsförderung sollten hier genauso Anwendung finden wie in einem mittelständischen Unternehmen mit Büroarbeitsplätzen. Letztendlich ist beides ein Beruf am Schreibtisch.

Warum Bewegung entscheidend ist

„Die Spieler[*innen] bewegen sich in ihrer Tätigkeit doch kaum, warum sollten sie dann Sport treiben um besser zu werden?“
Physisches Training mit moderater Intensität kann signifikante Veränderungen in der Gesundheit des Gehirns und der kognitiven Performance hervorrufen. Sie betrifft mehrere Bereiche der kognitiven Leistungsfähigkeit wie Gedächtnis, Aufmerksamkeit und Ausführungsfunktionen (Kirk-Sanchez & McGough, 2013).

Außerdem stellten Antunes und Kollegen (2006) in einer Meta-Studie fest, dass die physischen Belastungen durch praktische Übungen einen positiven Einfluss auf die kognitiven Funktionen der Studien-Teilnehmer haben:

    “The bridge of the physical exercise and the cognitive functioning
    could be an important link to the optimizing processes of the
    performance. Such is an important bridge, since it can help not
    only elder people, but also coaches and athletes in assembling
    strategies that involve attention and decision, thus reinforcing a
    good sportive performance.“

    – Antunes et al. 2006


Unser Fazit

Die Bedeutung von Betrieblicher Gesundheitsförderung, Betrieblichem Gesundheitsmanagement und Arbeitsschutz muss aus gesundheits- und zukunftsorientierter Sichtweise, vor allem bei steigender Akzeptanz des elektronischen Sports, in diesem Berufsfeld ebenfalls wachsen. Eine direkte Verknüpfung gibt es zum Thema Pausenverhalten.


Ihr Team VisionGesund.




Weiterführende Literatur:

Boriss, Karin (2015). Lernen und Bewegung im Kontext der individuellen Förderung, Springer VS 26.

Antunes et al. (2006). Reviewing on physical exercise and the cognitive function [Zugriff am 14.07.2016].


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Urheber: Jamie McInall / Pexels