Geschäftsführende sind auch nur Menschen. Auch wenn man von ihnen klare Entscheidungen, Entschlossenheit, Raffinesse und Kalkül erwartet, haben auch diese Menschen Ängste. Zum Beispiel vor Ihren Angestellten. – Bitte was?! Viele Geschäftsführende fürchten sich vor den Anforderungen und Erwartungen, die die Mitarbeitenden an sie als Chef*in stellen.

Woher dieses Phänomen kommt und warum Erwartungen eher Chance als Leid sind:


Die Erwartungshaltung

Jeder Mensch hat bestimmte Erwartungen an sich selbst, an seine Umwelt und seine Mitmenschen. Diese Erwartungen entsprechen einer subjektiven und antizipierten Wahrscheinlichkeit des Eintretens eines zukünftigen Ereignisses.

Ein Beispiel: Wenn einer Person eine Frage gestellt wird, dann erwartet diese Person, dass die Antwort in irgendeiner Form für den Fragenden von Relevanz ist und eine Reaktion beim Fragenden auslösen wird. Diese Erwartung des Befragten wird dabei von einem ganzen Korb an unterschiedlichen Einflüssen, Rahmenbedingungen und bisherigen Erfahrungen der Vergangenheit bestimmt. Die subjektiven Erwartungen an die Reaktion sind dementsprechend häufig unterschiedlich.

So weit verständlich. Aber wie kommt es nun, dass gerade von Seite der Geschäftsführung regelmäßig die negativ konnotierte Äußerung kommt, dass speziell eine Mitarbeitendenbefragung ja Erwartungen auslöse?


Negative Wirkung von Erwartungen

Ist der Rahmen nicht geklärt, kein Ziel definiert und werden die Mitarbeitenden auch nicht transparent informiert, entsteht Raum für Spekulationen.

Um das Beispiel der Mitarbeitendenbefragung aufzugreifen: Ist der Zweck der Befragung und der Umgang mit den Ergebnissen unklar, werden die Mitarbeitenden nicht in Kenntnis gesetzt, weshalb sie nach ihrer Meinung gefragt werden, bilden sich stark unterschiedliche Erwartungen bei allen Beteiligten. Denn eines ist klar: Besonders wenn die Kommunikation im Unternehmen schon am Boden liegt, der Flurfunk funktioniert immer.

In diesen Fällen ist die Angst vor Erwartungen der Mitarbeitenden in den Führungsetagen verständlich: Die Angst vor den Ergebnissen, wenn keine Vorstellungen davon existieren, was die Umfrage an Rückmeldungen hervorbringen wird und die Angst, dass man der aufgedeckten Baustellen nicht mehr Herr*in wird, wenn kein Rahmen und keine Strategie existiert, wie man mit Ergebnissen und Problemen umgeht.

Und Angst ist auch dort verständlich, wo in der Vergangenheit schon schlechte Erfahrungen – ggf. durch ähnliche Befragungen – im Betrieb / Unternehmen für Unruhe gesorgt haben. Ein klassisches Beispiel für ein Verhalten, welches Enttäuschungen hervorruft: Negative Ergebnisse werden nicht kommuniziert und unter den Teppich gekehrt.


Der/Die Geschäftsführende und die antizipierte Kostenfalle

„Und am Ende müssen die Erwartungen erfüllt werden… und was das dann alles kostet!“ Die Angst vor den Erwartungen der Mitarbeitenden kann auch in einer erwarteten Kostenexplosion begründet liegen. Das Gespenst geht um, dass teure Maßnahmen eingekauft werden müssen, um die Mitarbeitenden zu befriedigen. Diese Annahme ist unbegründet: Auch dies ist letztlich eine Frage der Kommunikation.

    Ist es wirklich notwendig eine eigene Kita zu bauen oder hilft es vielleicht, ein Eltern-Kind-Büro für Notfälle einzurichten?

    Müssen es zusätzliche Urlaubstage sein oder kann vielleicht auch einfach die Urlaubstagregelung entbürokratisiert werden?

    Und muss es ein teures Business-Team-Coaching sein oder reicht es festzulegen, dass mindestens einmal pro Monat nicht nur über Team-Projekte, sondern vor allem über das Miteinander im Team gesprochen wird?

Es gibt für viele Probleme oft interne Lösungen und häufig können kleine Stellschrauben eine große Veränderung bewirken: So wie bei einem Fall, in dem sich das Unternehmen entschied, bestimmte Monitore auf kleine Podeste zu stellen, um Haltungsschäden und Nackenschmerzen vorzubeugen. Einfach, naheliegend, günstig und extrem sinnvoll (für mehr Infos zu ergonomischem Arbeiten lesen Sie gerne in unserer Beitragsserie Rundum Wohlfühlen – auch am Arbeitsplatz).


Positive Wirkung von Erwartungen

Sobald ein Vertrag mit einem Lieferanten geschlossen, ein Termin mit einem/r Geschäftspartner*in vereinbart oder eine Absprache getroffen wird, erwarten wir, dass diese Vereinbarungen eingehalten werden. Und zwar überwiegend, ohne negative Gefühle zu entwickeln. Häufig entsteht sogar das positive Gefühl, etwas erledigt oder geschafft zu haben. Warum haben in den geschilderten Fällen die Erwartungen so positive Auswirkungen?

Den Unterschied macht der Rahmen. Für diese Situationen sind Erwartungen über eindeutige Ziel- und Absichtserklärungen klar definiert, so dass die subjektive Antizipation in gelenkten Bahnen verläuft. Wir wissen förmlich, was uns erwartet – das gibt Stabilität und Sicherheit und eher selten werden unsere Erwartungen dann enttäuscht.


Ein positives Arbeitsumfeld durch bekannte Erwartungen

Gerade bei Mitarbeitendenbefragungen bietet sich die große Chance für Geschäftsführende und Unternehmer*innen, die Erwartungen der Mitarbeitenden kennenzulernen, ernst zu nehmen und sich zu bemühen, diese zu erfüllen. Denn wenn die erste Reaktion bei dem Gedanken an eine Mitarbeitendenbefragung ist „Da werden ja Erwartungen geweckt“, ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass ein gewisses Maß an Unzufriedenheit in der Belegschaft schon längst existiert – getreu dem Motto: Man will ja keine schlafenden Hunde wecken.

Wenn jederzeit aktiv und transparent mit der Mitarbeitendenvertretung (bzw. Betriebs- oder Personalrat) kommuniziert und diese auch in wichtige Entscheidungsprozesse von Anfang an einbezogen wird, können die Erwartungen der Mitarbeitenden, durch die Geschäftsführung ein Stück weit mit gesteuert werden (Stichwort BGM Steuerkreis). Liegen die Ergebnisse vor, ist dies den Angestellten nicht nur mitzuteilen, sondern auch der Hinweis zu geben, wie nun mit den Ergebnissen verfahren wird. Werden mehr Probleme aufgedeckt als scheinbar erfüllt werden können, wird gemeinsam mit der Mitarbeitendenvertretung priorisiert und über jeden Schritt zur Lösung der Probleme transparent kommuniziert.

Sobald Maßnahmen verabschiedet sind, ist es wichtig, alle darüber zu informieren, was angepasst, verändert oder optimiert wird. Darauf vertrauen, dass der / die Einzelne schon von alleine mitbekommt, was sich jetzt positiv verändert, wird nicht genügen. Der ganze Zyklus einer Mitarbeitendenbefragung muss also nach dem Muster der Kommunikation ablaufen:
Sprich darüber, höre zu und erst dann tue Gutes – und sprich darüber!

Langfristig sind die Unternehmen am erfolgreichsten, die ihren Mitarbeitenden aller Altersklassen (sowohl Azubis als auch Langzeitangestellte oder Mitarbeitende, die eine Familie haben oder planen) ein zufriedenstellendes, gesundes und manchmal auch sinnstiftendes Arbeitsumfeld bieten – das Gehalt ist schon lange nicht mehr oberste Priorität.


In diesem Sinne: Haben Sie keine Angst, sondern denken Sie groß! Wir können Ihnen gerne dabei helfen.
Ihr Team VisionGesund.