Azubis Mangelware

Studieren statt Arbeiten. Professor*in, Doktor*in, Mediamanager*in… Traditionelle Berufe, beispielsweise in der Gastronomie, dem Fleischer- oder Lebensmittelhandwerk, geraten in Vergessenheit oder verlieren zumindest an Popularität. Laut Statistischem Bundesamt waren im Jahr 2016 1,3 Millionen Auszubildende in Deutschland gemeldet. Dennoch bleiben laut der Deutschen Industrie- und Handelskammer (IHK) die Ausbildungsstellen jedes dritten Betriebs unbesetzt.
2018 erreichte die Abbruchquote der Berufsausbildungen mit über 25 % einen neuen Höchststand (wir berichteten).


Woran liegt das? Sowohl an den Jugendlichen selbst, aber häufig auch am Einfluss der Eltern, meint Elisabeth Krekel vom Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB). Eine Ausbildung wird in der heutigen Gesellschaft nicht so wertgeschätzt wie ein Studium, das von hoher Bildung zeugt.

Das Image der Ausbildungen in Betrieben muss demnach verbessert werden. Und nicht nur das Image, sondern auch die Ausbildungskonditionen selbst.
Denn nicht nur die Azubis sind wählerisch, wenn es um den Job geht. Auch die Unternehmen steigern ihre Ansprüche an Auszubildende in der aktuellen Optimierungskultur: Bewerber*innen über 20 Jahre, ausländische Staatsbürger*innen sowie Hauptschulabsolvent*innen hätten erfahrungsgemäß erheblich schlechtere Chancen auf einen Ausbildungsplatz, berichtet das BIBB.

Wie kann ein Betrieb die Attraktivität für Azubis steigern? Was erwarten sich die Berufseinsteiger*innen von ihrem/r zukünftigen Arbeitsgeber*in, ihrem Arbeitsplatz und der Arbeit selbst? Und welche Rolle spielt dabei ein gesundheitlicher Strategieansatz im Unternehmen?


Was bedeutet Berufseinstieg? Die (Aus-)Bildung von Fähigkeit und Persönlichkeit.

Der Einstieg in das Arbeitsleben ist ein neuer Lebensabschnitt. Ein Schritt in das Erwachsenensein. Und wie in jeder Lebensphase werden insbesondere zu Beginn Verhaltens- und Denkmuster geprägt, die sich später zur Routine oder einer festen Einstellung entwickeln können. Was die jungen Auszubildenden hier erlernen, trägt enorm zu ihrer beruflichen, aber auch persönlichen Entwicklung bei. Vor allem in dieser Phase sind sie empfänglich für neuen Input – der richtige Zeitpunkt, um das Gesundheitsbewusstsein zu stärken und so gesunde Arbeitskräfte „heranzuziehen“, die für lange Zeit ihrer Tätigkeit nachgehen können.

Was bedeutet Gesundheit? Das Gerüst für ein langes, beschwerdefreies Leben.

Mit Anfang 20 sind die meisten noch beschwerdefrei – und auch das ist bei weitem nicht mehr selbstverständlich! Die Probleme lassen jedoch oft nicht lange auf sich warten, wie zahlreiche Studien zeigen: Rückenschmerzen, Knieprobleme oder zu hoher Stress, der letztendlich zu einem Burnout-Syndrom führt.

Die Digital Natives werden vermutlich verstärkt mit derartigen Leiden konfrontiert: 2016 ergab eine Studie mit Azubis eine durchschnittliche Nutzungsdauer digitaler Medien von ca. acht Stunden täglich. Und das wohlgemerkt in ihrer Freizeit. Das wirkt sich natürlich auch auf den körperlichen Zustand aus: Schlafmangel, Kopfschmerzen,… und Übergewicht. Fast jede*r Dritte der 13.000 Befragten war laut BMI übergewichtig.

Prävention und Gesundheitsförderung machen also auch für junge Leute durchaus Sinn. Immerhin ist die neue Generation die Rentensicherung von morgen. Sie werden später den Betrieb weiterführen und in die Fußstapfen der aktuellen „alten Hasen“ treten. Außerdem ist der enorme Medienkonsum der Gewinn eines unersetzlichen Know-hows für das Unternehmen, den in diesem Sinne nur die Digital Natives bieten können. Grund genug, diese Arbeitskräfte bereits präventiv zu unterstützen, um ihre Leistungsfähigkeit zu sichern.

Tatsächlich stehen die Azubis einem betrieblichen Gesundheitsangebot offen und positiv gegenüber. Besonders spezifisch auf ihre Berufs- und Alterszielgruppe angepasste Angebote finden laut dem BiBB großen Anklang.

Was wünschen sich Azubis?

Wie sollte ein BGF für die jungen Berufstätigen aussehen? Was erwarten Azubis von ihrem Ausbildungsbetrieb? Das thematisiert der zweite Teil (erscheint in Kürze) unserer neuen Beitragsserie Generation „Azubi“. Die Gratwanderung zwischen „Work“ und „Life“.


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Weiterführende Literatur:

Iga. Initiative zur Gesundheit und Arbeit. Wegweiser: Junge Beschäftigte in Ausbildung. Gesundheitsförderung und Prävention in Berufsschule und Betrieb.

Iga: Initiative zur Gesundheit und Arbeit: Berufsbildungsbericht 2017.

Iga: Initiative zur Gesundheit und Arbeit: Gesunder Berufsstart: Junge Beschäftigte sensibilisieren, motivieren und beteiligen.

DeStatis. Statistisches Bundesamt: Bildung aus dem Statistischen Jahrbuch 2018.

Statista: Berufe mit hohem Anteil an unbesetzten Ausbildungsplätzen am betrieblichen Gesamtangebot im Jahr 2017 (Erhebung zum 30. September) .

SPIEGEL ONLINE: Lehrlingsmangel. Warum so viele Ausbildungsplätze unbesetzt bleiben.

Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB): BWP 4/2017: Gesundheitsbelastungen und -risiken bei Jugendlichen. Ansätze zur Gesundheitsförderung im Rahmen der Ausbildung.


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